Betriebsübergang wie aus dem Bilderbuch

391068_JL-Otte8408_IWährend insbesondere inhabergeführte Unternehmen sich vielfach schwer tun mit einem geordneten Generationswechsel in der Geschäftsführung, macht die Nordhorner Kälte- und Gastrotechnik Otte GmbH vor, wie es funktioniert: Zum Jahreswechsel hat Firmengründer Siegfried Otte sein Unternehmen an seine Führungskräfte Christoph Partmann und Jörg Feldsmann abgegeben. Alle drei haben schon seit fünf Jahren gemeinsam diese Firmenübergabe vorbereitet.

Von Rolf Masselink – Nordhorn. „Unsere Kunden merken gar nichts davon. Alles läuft genauso weiter wie bisher“, sagt Jörg Feldsmann, Geschäftsführer der Nordhorner Firma Otte Kältetechnik. Feldsmann ist keineswegs beunruhigt, heute gemeinsam mit seinem Partner und Mitgeschäftsführer Jörg Partmann allein die Verantwortung für die Firmengruppe zu tragen, in der er einst als Lehrling seine berufliche Laufbahn begonnen hatte. Partmann und Feldsmann fühlen sich nicht „ins kalte Wasser geworfen“, sondern wurden gezielt an die Übernahme des Unternehmens herangeführt.
Schon vor fünf Jahren hatte der bisherige Inhaber Siegfried Otte mit beiden gemeinsam diesen Firmenübergang vertraglich geregelt. Partmann: „Gesprochen hatten wir über diese Nachfolgeregelung schon viel länger. Vor fünf Jahren haben wir dann die Verträge gemacht. Und die Zeit seitdem war eine gute Zeit, um nun allmählich in die Aufgaben hineinzuwachsen.“
„Als ich damals anfing, habe ich zunächst ganz allein gearbeitet“, erinnert sich Siegfried Otte an seinen Start als Unternehmer. Im Frühjahr 1976 hatte er " damals 26 Jahre alt " sich mit einem Handwerksbetrieb für Elektro- und Kälteanlagen in der Blanke selbständig gemacht. Startkapital? In der Familie zusammengespart, aber kaum der Rede wert. Umsatz? Anfangs sehr überschaubar.
Doch innerhalb weniger Jahre wuchs der Kleinbetrieb am Gildehauser Weg zu einem gut laufenden Handwerksunternehmen heran. 1988 siedelte der Betrieb um in einen Firmenneubau an der Mathildenstraße, der wenige Jahre später schon wieder „aus allen Nähten platzte“. Heute beschäftigt die Otte-Firmengruppe 30 Fachkräfte, bildet pro Jahr fünf bis sechs Lehrlinge aus und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 3,5 Millionen Euro. Von der Wirtschaftskrise spürte die Otte-Gruppe übrigens nichts. Selbst in den Krisenjahren 2009/10 erreichte der Betrieb zweistellige Umsatzzuwächse.
Bei Otte werden auf Kundenwunsch spezielle Lüftungs-, Kühl- und Klimaanlagen aller Größenordnungen konzipiert und montiert. Daneben wird die Montage von kundenspezifisch konzipierter Großküchentechnik zu einem immer stärkeren zweiten Unternehmensstandbein. Beide Geschäftszweige erfordern viel handwerkliche Anpassarbeit und Komponentenfertigung. Dafür steht an der Bentheimer Straße eine eigene Edelstahl-Werkstatt zur Verfügung.
Gefragt ist diese Arbeit der Otte-Gruppe längst in ganz Deutschland, und vielfach auch weit darüber hinaus. So baut das Unternehmen große Lüftungsanlagen bei der „Emsland-Stärke“ ebenso selbstverständlich ein wie Tiefkühlanlagen in Frankfurt oder Großkücheneinrichtungen in Kasachstan. „Wir haben zu vielen großen Kunden langjährige gewachsene Geschäftsbeziehungen“, sagt Siegfried Otte. Namhafte Banken sowie internationale Unternehmen wie der Wisser-Konzern oder die Bentheimer „Bentec“ setzen auf die Kompetenz der Nordhorner Anlagenbauer.
Doch nun, mit 60 Jahren, hat Siegfried Otte sich aus seinem erfolgreichen Unternehmen zurückgezogen und seine Gesellschafteranteile verkauft. „Als ich 50 war, habe ich mit meiner Frau angefangen, darüber nachzudenken, dass ich mit 60 den Betrieb abgeben will“, sagt Otte. Da es in der eigenen Familie keinen Nachfolger gibt, war schnell klar, dass Otte sein Unternehmen in die Hände seiner Mitarbeiter legen wollte. Mit Elektromeister Christoph Partmann und dem Kälteanlagenbauer Jörg Feldsmann fand Otte die richtigen Nachfolger. Vor fünf Jahren steckten sie gemeinsam den „Fahrplan“ für den Firmenübergang vertraglich ab. Zum Jahreswechsel 2010/11 wurde der „Übergang aus dem Bilderbuch“ vollzogen. „Ich habe den Jungs ein wenig Hilfestellung gegeben, wie man die Firmenübernahme rechtlich am besten gestaltet“, sagt Otte. „Den Rest wissen sie längst selber. Schließlich sind sie seit Jahren als Geschäftsführer in die Aufgabe hineingewachsen und kennen den Betrieb in- und auswendig.“
Nicht nur IHK und Handwerkskammer würden sich wünschen, dass solche Firmenübergänge Schule machen.

GN-Online.de vom 09.02.11